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Banken-Prozesse

Zürich, 29. Juni 2020

Aktion vor der Crédit Suisse:
die Zürcher Klimafälle kommen vor Gericht

In den kommenden Tagen erhebt die Staatsanwaltschaft Zürich-­Sihl Anklage beim Bezirksgericht Zürich wegen der Aktion von Collective Climate Justice vor der Crédit Suisse im vergangenen Sommer. Vorgeworfen wird den Aktivistinnen (versuchte) Nötigung und Hausfriedensbruch. Zwölf Zürcher Anwältinnen übernehmen pro bono die Verteidigung der Angeklagten.

Mit einer Demonstration vor den Hauptsitzen der beiden Grossbanken Crédit Suisse am Zürcher Paradeplatz und UBS in Basel hatten Aktivist*innen des Collective Climate Justice, des Collectif Break Free und weiteren Gruppierungen im Juli 2019 auf die hohe Beteiligung der Schweizer Grossbanken an der Befeuerung der Klimakatastrophe aufmerksam gemacht und weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Über einhundert Menschen sassen am 8. Juli 2019 in den charakteristischen weissen Schutzanzügen der Klimagerechtigkeitsbewegung vor die Eingänge der Hauptsitze der beiden Grossbanken in Basel und Zürich. In Zürich wurden im Rahmen der Aktion 64 Menschen vorläufig, d.h. für bis zu 48 Stunden, festgenommen.

Mit dieser Aktion forderten die Aktivist*innen den sofortigen Ausstieg der beiden
Grossbanken aus den klimaschädlichen Investitionen in und der Finanzierung von fossilen Energien und der dafür benötigten Infrastruktur. Der Schweizer Finanzplatz verursacht mit seinen globalen Investitionen in fossile Brennstoffe das zwanzigfache der Schweizer Inlandsemissionen. Er finanziert damit ein Klimaerwärmungsszenario von 4 – 6°C. Allein die beiden Grossbanken UBS und Crédit Suisse haben seit der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens mit der Finanzierung von Unternehmen in der Kohle-­ Öl-­ und Gasbranche mehr Treibhausgasemissionen ermöglicht, als die ganze Schweiz im Inland ausgestossen hat.

„Wie kann es sein, dass diejenigen, die auf dringend notwendigen Klimaschutz aufmerksam machen angeklagt werden, während diejenigen, die das Klima zerstören, unbehelligt weitermachen? Das verletzt die Grundrechte der Menschen hier vor Ort und besonders der Menschen im globalen Süden“, Frida Kohlmann, Mediensprecherin Collective Climate Justice (CCJ).

Von den im vergangenen Sommer festgenommenen Aktivistinnen haben ein gutes Dutzend Einsprache gegen die Vorwürfe der (versuchten) Nötigung und des Hausfriedensbruchs erhoben. 12 Zürcher Anwältinnen haben sich bereit erklärt, die Verteidigung der angeklagten Klima-­Aktivist*innen im anstehenden Prozess pro bono zu übernehmen.

„Bisher bin ich nicht als Klimaaktivist in Erscheinung getreten. Mich irgendwo anzuketten, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Seit ich mich jedoch mit dem Thema befasse, aufgerüttelt durch den Fall in Lausanne, stehe ich hundertprozentig hinter dem Anliegen“, sagt Thomas Schluep, einer der Anwälte.

„Mich bewegt, dass hier mutige junge Menschen für ihr Engagement für die Zukunft von uns allen vor Gericht kommen. Mein Support in dieser Angelegenheit ist meine Art, jenen zu danken, die sich ernsthaft dafür einsetzen, dass die Klimaziele hoffentlich doch noch erreicht werden können“, fügt Ingrid Indermaur, Anwältin, hinzu.

Nachdem die Staatsanwaltschaft die Anklageschrift in diesen Tagen an das Bezirksgericht Zürich überwiesen hat, dürfte es voraussichtlich im Spätherbst oder Winter zur Gerichtsverhandlung kommen.

Kontakte und weitere Informationen:

Frida Kohlmann, Mediensprecherin (D, E): +41 77 909 76 83
E-­Mail: medien@climatejustice.ch

Robin Chappatte, Mediensprecher (F): +41 79 211 51 76
E-­Mail: robin.chappatte@gmail.com

Ingrid Indermaur, Anwältin (D, E): +41 44 295 90 80
E-­Mail: indermaur@advokaturaussersihl.ch

Thomas Schluep, Anwalt (D, F, E): +41 52 212 37 37
E-­Mail: info@advoschluep.ch

Gerne können wir auch Kontakte zu den involvierten Aktivist*innen anbieten. Sie stehen für Interviews zur Verfügung. Bitte melden sie sich dafür bei Frida Kohlmann oder Robin Chappatte.

Bildmaterial der Aktion vom 8.7.2019 (zur freien Verwendung):
https://www.flickr.com/photos/182591369@N08/albums

Homepage: www.climatejustice.ch
Twitter: @climate_games

Über uns
Hinter der Aktion «Fossil Banks – Too Big to Stay» vom Juli 2019 steht das Collective Climate Justice sowie Einzelpersonen und weitere Aktivist*innen aus verschiedenen Gruppen, wie beispielsweise das Collectif Break Free. Als Bewegung stehen wir alle solidarisch für Klimagerechtigkeit und für eine lebenswerte Zukunft für alle.